Zum Inhalt springen
Zur Wissensbibliothek

Green Event im Verein: Vereinsfest und Sportveranstaltung nachhaltig planen

Mehrweg statt Einweg, regionale Speisen, Anreise ohne Auto: wie du dein Vereinsfest als Green Event planst und welche Programme in Österreich helfen.

Gestapelte Keramiktassen

Ein Green Event ist eine Veranstaltung, die von Anfang an so geplant wird, dass sie möglichst wenig Abfall, Verkehr und Energieverbrauch verursacht und trotzdem allen Spaß macht. In Österreich gibt es dafür einen gemeinsamen Maßstab: Das Netzwerk Green Events Austria aus Umweltministerium und allen Bundesländern hat am 7. März 2018 Mindestanforderungen an nachhaltige Veranstaltungen beschlossen. Diese betreffen Mobilität, Verpflegung, Beschaffung und Abfall, Energie, soziale Aspekte und Kommunikation. Für eine Auszeichnung hast du zwei Wege: die Green-Event-Initiative deines Bundeslandes oder das Österreichische Umweltzeichen für Green Meetings und Green Events. Unabhängig davon schreiben mehrere Länder ab einer bestimmten Größe Mehrweggeschirr vor.

Was ein Green Event ausmacht

Die Mindestanforderungen kann auch ein Sommerfest oder ein Vereinsturnier erfüllen. Kurz zusammengefasst:

BereichMindestanforderungSo setzt du sie im Verein um
MobilitätVeranstaltungsort mit Öffis, zu Fuß oder mit dem Rad gut erreichbar; klimaschonende Anreise wird beworbenFahrplan und Radabstellplätze in der Einladung nennen, Shuttle oder Fahrgemeinschaften organisieren
Verpflegungüberwiegend saisonal und regional, möglichst biologisch, Kaffee, Tee und Schokolade aus fairem Handel, mindestens ein vegetarisches oder veganes HauptgerichtFleisch und Gemüse aus der Region, eine fleischlose Hauptspeise auf der Karte, Leitungswasser anbieten
Beschaffung und AbfallGetränke in Mehrweggebinden einkaufen, nur Gläser, Porzellan oder Mehrwegbecher und Mehrweggeschirr ausgeben, Abfall überall getrennt sammeln, Drucksachen sparsamFassbier und Mehrwegflaschen, Becherpfand, beschriftete Trennstationen auch hinter der Schank
Energie und Ressourcensparsamer Umgang mit Wasser, Strom und Wärme, möglichst erneuerbare EnergieNetzstrom statt Aggregat, LED-Beleuchtung, Geräte nach dem Fest abschalten
SozialesBarrierefreiheit beachten und Angebote früh kommunizierenbarrierefreier Zugang und WC, Infos dazu in der Einladung
KommunikationHelferteam, Lieferanten und Gäste früh über die Maßnahmen informieren und sie am Fest sichtbar machenHinweis in Einladung und Programm, Schilder am Festgelände, Ansage durch die Moderation

Das Umweltministerium schlägt zusätzlich weitere Maßnahmen vor, etwa Kombitickets mit Öffis, den Verzicht auf Werbegeschenke, ein Abfallkonzept, Lärmschutz und Information der Anrainerinnen und Anrainer. Die vollständige Liste veröffentlicht das Umweltministerium auf seiner Website unter dem Stichwort Green Events.

Holz-Picknicktische auf einer sonnigen Wiese
Holz-Picknicktische auf einer sonnigen Wiese

Abfall vermeiden: Mehrweg, Pfand und Mülltrennung

Wo Mehrweg Pflicht ist

Mehrere Bundesländer schreiben Mehrweg bei Veranstaltungen gesetzlich vor. Drei Beispiele:

LandAb wannWas gilt
Oberösterreichseit 1. Januar 2022 bei Veranstaltungen nach dem Oö. Veranstaltungssicherheitsgesetz mit mehr als 300 gleichzeitig anwesenden PersonenGetränke in Mehrweggebinden beziehen, Getränke und Speisen in Mehrwegbechern und mit Mehrweggeschirr und -besteck ausgeben; ab 2.500 Personen zusätzlich ein Abfallkonzept
SalzburgVeranstaltungen mit Speisen oder Getränken und mehr als 600 gleichzeitig möglichen Teilnehmendenmindestens 80 % der Getränke in Mehrweggebinden beziehen und ausgeben, Speisen mit Mehrweggeschirr oder Ersatz aus Papier, Karton oder Holz; ab 2.000 Personen ein abfallwirtschaftliches Konzept
WienVeranstaltungen mit Speisen oder Getränken, an denen mehr als 1.000 Personen teilnehmen können, oder auf Liegenschaften der Stadt WienGetränke aus Mehrweggebinden ausschenken, soweit erhältlich, und in Mehrwegbechern oder Gläsern ausgeben, Speisen mit Mehrweggeschirr und -besteck, Rücknahme organisieren

Ausnahmen gibt es etwa, wenn Mehrweg aus Sicherheitsgründen nicht erlaubt ist. Auch in anderen Ländern und Gemeinden kann es Vorgaben geben; frag bei der Gemeinde oder deinem Abfallverband nach. Manche Abfallverbände und Gemeinden verleihen Mehrwegbecher oder Geschirr, teils samt Spülmobil.

Pfand und Mülltrennung

Seit 1. Januar 2025 gilt in Österreich ein Pfand von 0,25 € auf Einweg-Getränkeflaschen aus Kunststoff und Getränkedosen mit 0,1 bis 3 Litern. Was das für den Getränkeverkauf und die Rücknahme leerer Gebinde bedeutet, erklärt der Beitrag Recyclingpfand im Verein. Noch einfacher wird es, wenn du ganz auf Fass und Mehrwegflaschen setzt.

Für den Rest sorgen gut sichtbare Trennstationen mit Schildern, die auch Gäste ohne Ortskenntnis verstehen, etwa für Restmüll, Papier, Glas, Metall- und Kunststoffverpackungen, Speisereste und Altspeiseöl. Stell sie dort auf, wo Abfall entsteht, auch in Küche und Schank. Ein Becherpfand sorgt dafür, dass Mehrwegbecher zurückkommen.

Verpflegung: regional, saisonal und gut geplant

Bei der Verpflegung kannst du viel bewirken. Kauf Fleisch, Brot, Gemüse und Getränke bei Betrieben aus der Region und plane die Speisekarte nach der Saison. Bio-Produkte und fair gehandelter Kaffee kosten etwas mehr, sind aber für Gäste ein sichtbares Zeichen. Eine gute vegetarische oder vegane Hauptspeise gehört zu den Mindestanforderungen.

Gegen Lebensmittelabfälle hilft vor allem eine gute Mengenplanung. Schätze die Gästezahl anhand der Vorjahre, plane lieber kleinere Portionen mit Nachschlag und vereinbare mit Lieferanten, dass ungeöffnete Ware zurückgehen kann. Mit Online-Anmeldungen über die Events in campai weißt du bei Ball, Turnier oder Jubiläumsfest schon vorher, wie viele Gäste kommen. Gibst du offene Speisen aus, denk auch an die Allergeninformation.

Anreise, Energie und Kommunikation

Anreise

Die Anreise der Gäste ist bei vielen Festen ein großer Klimafaktor. Wähle wenn möglich einen Ort, der mit Bus oder Bahn erreichbar ist, und schreib Fahrplan, Fußweg und Radabstellplätze in die Einladung. Bei abgelegenen Sportplätzen helfen ein Shuttle vom Bahnhof, ein Anrufsammeltaxi oder Fahrgemeinschaften, die du über die Vereins-App oder per Mailing organisieren kannst. Ein kleiner Vorteil für Gäste, die ohne Auto kommen, etwa ein Getränkebon, kann mehr bewirken als ein Appell.

Energie

Nutze, wenn vorhanden, Strom aus dem öffentlichen Netz statt eines Dieselaggregats, setze auf LED-Beleuchtung und energieeffiziente Technik und schalte Kühlgeräte und Heizstrahler nur ein, wenn sie gebraucht werden. Hast du ein eigenes Vereinsheim oder einen Sportplatz, zahlt sich ein Blick auf den Energieverbrauch übers ganze Jahr aus; Anregungen dazu gibt der Beitrag Klimafitte Sportstätte.

Kommunikation und Soziales

Ein Green Event funktioniert nur, wenn alle mitmachen. Informiere dein Helferteam vorab, was sich ändert und warum, und sag Lieferanten rechtzeitig, dass du Mehrweggebinde willst. Gästen erklärst du die Maßnahmen in Einladung, Programm und auf Schildern am Festgelände. Achte auf Barrierefreiheit von Zugang und Toiletten und kündige barrierefreie Angebote früh an; mehr dazu im Beitrag Barrierefreiheit im Verein. Nach dem Fest lohnt sich eine kurze Befragung, etwa mit einer Mitgliederbefragung, und eine Auswertung von Abfallmengen und Kosten.

Auszeichnungen und Programme in Österreich

Die Initiativen der Bundesländer

Laut Umweltministerium hat jedes Bundesland eine eigene Green-Event-Initiative. Die Initiativen beraten Veranstalterinnen und Veranstalter, und viele zeichnen Feste aus, die ihre Kriterien erfüllen. Nach Bedingungen, Auszeichnung und allfälligen Förderungen fragst du direkt bei der Initiative deines Landes.

BundeslandInitiative
BurgenlandA sauberes Festl
KärntenÖkofit Kärnten
NiederösterreichSauberhafte Feste
OberösterreichKlimaKultur-GreenEvents Oberösterreich
SalzburgGreen Event Salzburg
SteiermarkGreen Events Steiermark / G'scheit Feiern
TirolGreen Events Tirol
VorarlbergGhörig feschta
WienÖkoEvent

Das Umweltzeichen für Green Meetings und Green Events

Das Österreichische Umweltzeichen ist ein Gütesiegel, das das Umweltministerium als zeichengebende Stelle vergibt. Für Veranstaltungen gilt die Richtlinie UZ 62 „Green Meetings und Green Events“, aktuell in der Version 6.0 vom 1. Juli 2026. Ausgezeichnet wird eine Veranstaltung, wenn sie alle verpflichtenden Kriterien erfüllt und aus den wählbaren Kriterien eine Mindestpunktzahl erreicht. Die Kriterien reichen von Management, Kommunikation und Mobilität über Veranstaltungsstätte, Beschaffung und Catering bis zu sozialen Aspekten, Veranstaltungstechnik und zusätzlichen Anforderungen für Sportveranstaltungen.

Zertifiziert wird über Lizenznehmerinnen und Lizenznehmer. Sportvereine und ihre Dachverbände sowie Kulturvereine können selbst Lizenznehmer werden, wenn ihre Statuten die Organisation von Veranstaltungen abdecken. Alternativ planst du dein Fest selbst und beauftragst eine gelistete Lizenznehmerin mit der Zertifizierung; sie prüft die Umsetzung und kann dafür ein Entgelt verlangen. Für ein typisches Vereinsfest ist die Landesinitiative meist der einfachere Einstieg, für eine große Sportveranstaltung kann sich das Umweltzeichen lohnen.

Wettbewerb „nachhaltig gewinnen!“

Das Netzwerk Green Events Austria veranstaltet außerdem den Wettbewerb „nachhaltig gewinnen!“, an dem neben Sport- und Kulturveranstaltungen auch Feste und Sportvereine teilnehmen können. Bedingungen und Fristen findest du in der jeweils aktuellen Ausschreibung. Für Investitionen in Gebäude und Anlagen lohnt sich ein Blick in den Beitrag Förderungen für Vereine.

Häufige Fragen

Ist Mehrweg beim Vereinsfest Pflicht?

Das hängt von Bundesland und Größe ab. In Oberösterreich gilt die Pflicht bei Veranstaltungen mit mehr als 300 gleichzeitig anwesenden Personen, in Salzburg ab mehr als 600 und in Wien ab mehr als 1.000 Personen oder auf Liegenschaften der Stadt Wien. Darunter ist Mehrweg dort nicht vorgeschrieben, gehört aber zu den Mindestanforderungen an Green Events.

Was kostet ein Green Event?

Mehrweggeschirr, regionale Lebensmittel und ein Shuttle kosten Geld, dafür sparst du bei Einweggeschirr und Entsorgung. Die Landesinitiativen beraten Vereine; frag dort auch nach Leihgeschirr und Förderungen. Für die Zertifizierung mit dem Umweltzeichen kann eine Lizenznehmerin ein Entgelt verlangen.

Muss ich mein Fest zertifizieren lassen?

Nein. Du kannst die Mindestanforderungen auch ohne Auszeichnung umsetzen. Eine Auszeichnung macht dein Engagement aber sichtbar, etwa gegenüber Gemeinde, Sponsoren und Gästen.

Gelten die Regeln auch für Sportveranstaltungen?

Ja. Die Mindestanforderungen sind für alle Arten von Veranstaltungen gedacht, und die Umweltzeichen-Richtlinie enthält eigene zusätzliche Kriterien für Sportveranstaltungen.

Fazit

Ein Green Event beginnt mit wenigen Entscheidungen: Mehrweg statt Einweg, regionale Speisen mit einer fleischlosen Hauptspeise, eine Anreise ohne Auto und eine klare Mülltrennung. Prüf, ob dein Land ab deiner Besucherzahl Mehrweg ohnehin vorschreibt, und hol dir Unterstützung bei der Green-Event-Initiative deines Bundeslandes. Wer mehr will, lässt große Veranstaltungen mit dem Umweltzeichen zertifizieren. Die übrigen Regeln für dein Fest, von Steuern bis Jugendschutz, fasst der Beitrag Vereinsfest in Österreich zusammen.

Checkliste: dein Vereinsfest als Green Event

Diese Schritte bringen dein nächstes Fest auf Green-Event-Kurs. Starte damit, sobald Ort und Termin feststehen.