Ehrenamtliche gewinnen: So findet dein Verein neue Engagierte
Neue Ehrenamtliche findest du mit konkreten Aufgaben, persönlicher Ansprache und einem leichten Einstieg. So gehst du Schritt für Schritt vor.
- Ehrenamt & Mitarbeit
- 29. Oktober 2026
- 12 Min. Lesezeit
- campai Redaktion

Ehrenamtliche gewinnst du am zuverlässigsten, wenn du nicht allgemein um „Helfer“ bittest, sondern eine konkrete Aufgabe mit klarem Zeitaufwand anbietest und Menschen persönlich darauf ansprichst. Dazu kommen ein Einstieg ohne große Hürden und eine feste Ansprechperson. Oft fehlt es nicht am guten Willen, sondern an einem passenden Angebot, denn unklare Daueraufgaben schrecken ab. In diesem Leitfaden erfährst du, wie du den Bedarf klärst, Aufgaben passend zuschneidest, die richtigen Leute findest und sie so ansprichst, dass aus Interesse eine Zusage wird.
Warum die Suche nach Ehrenamtlichen oft ins Leere läuft
Wenn ein Verein über fehlende Freiwillige klagt, liegt das selten daran, dass niemand helfen will. Häufiger passt das Angebot nicht zu dem, was Menschen heute geben können. Typische Bremsen sind:
- Unklare Bitten: Ein Aufruf wie „Wir suchen dringend Unterstützung“ spricht niemanden persönlich an. Jede und jeder denkt, die anderen sind gemeint.
- Angst vor der Dauerverpflichtung: Wer einmal Ja sagt, befürchtet, die Aufgabe nie wieder loszuwerden.
- Unbekannter Aufwand: Ohne Angabe, wie viele Stunden eine Aufgabe kostet, schätzen Interessierte lieber vorsichtig und sagen ab.
- Geschlossene Kreise: Wenn immer dieselben Personen alles entscheiden, wirkt der Einstieg für Neue schwer.
- Zu viel Verwaltung: Papierlisten, lange Abstimmungen und unklare Abläufe schrecken gerade Berufstätige ab.
Die gute Nachricht: All diese Punkte kann dein Verein selbst beeinflussen. Die folgenden Schritte setzen genau dort an.
Schritt 1: Kläre, wen du wofür suchst
Bevor du jemanden ansprichst, solltest du wissen, welche Aufgabe offen ist, wie viel Zeit sie kostet und was jemand dafür mitbringen sollte. Stell dir dazu vier Fragen:
- Welche Aufgabe ist offen oder wird bald frei?
- Wie viele Stunden pro Woche, Monat oder Einsatz fallen an, und für wie lange?
- Welche Kenntnisse braucht es wirklich, und was lässt sich lernen?
- Bis wann muss die Aufgabe besetzt sein?
Die Antworten hältst du am besten in einem kurzen Aufgabenprofil fest. Wie du alle Aufgaben im Verein erfasst und solche Profile schreibst, zeigt dir der Leitfaden zur Aufgabenverteilung im Verein. Ein gutes Profil ist zugleich die Grundlage für deinen Aufruf.

Schritt 2: Schneide Aufgaben so zu, dass sie in ein volles Leben passen
Viele Menschen haben Zeit für ein Engagement, aber nicht für ein Amt ohne absehbares Ende. Je flexibler dein Verein Aufgaben anbietet, desto größer wird der Kreis möglicher Unterstützerinnen und Unterstützer. Bewährt haben sich diese Formen:
| Form | Typischer Umfang | Beispiel | Passt gut für |
|---|---|---|---|
| Mikro-Engagement | einmalig, ein bis drei Stunden | Kuchen backen, Einlass beim Konzert, Flyer verteilen | Eltern, Berufstätige, neue Mitglieder |
| Projektmitarbeit | einige Wochen mit klarem Ende | Jubiläumsfest planen, Vereinsheim streichen, neue Website aufsetzen | Menschen mit Fachwissen, die sich nicht dauerhaft binden wollen |
| Regelmäßige Aufgabe | feste Stunden pro Woche oder Monat | Training leiten, Social Media betreuen, Geräte warten | Mitglieder, die den Verein schon gut kennen |
| Amt im Vorstand oder Team | eine Wahlperiode, mehrere Stunden pro Monat | Kasse, Schriftführung, Jugendleitung | erfahrene Engagierte, gern im Tandem |
Große Ämter lassen sich oft aufteilen. Statt einer Person, die „die ganze Öffentlichkeitsarbeit“ übernimmt, kann sich eine um Social Media kümmern, eine zweite um Pressetexte und eine dritte um Fotos bei Veranstaltungen. Ein Tandem aus erfahrener und neuer Person macht den Einstieg leichter und sorgt nebenbei für Nachfolge.
Wichtig ist, dass kleine Einsätze wirklich klein bleiben. Wer beim Sommerfest drei Stunden am Grill steht, sollte nicht automatisch auf der Liste für die nächste Vorstandswahl landen. Kurze, gute Erfahrungen sind oft der Einstieg in mehr.
Schritt 3: Suche zuerst dort, wo dein Verein schon Kontakte hat
Im eigenen Verein
Das größte Potenzial liegt meist bei Menschen, die deinen Verein bereits kennen. Diese Menschen wissen, wie es dort zugeht, und fühlen sich schon verbunden. Denk an:
- aktive Mitglieder, die bisher „nur“ trainieren, spielen oder singen,
- Eltern und Großeltern von Kindern und Jugendlichen im Verein,
- passive und ehemalige Mitglieder, die noch Kontakt halten,
- Jugendliche, die erste Verantwortung übernehmen möchten,
- Ehrenamtliche, die gern eine andere oder zusätzliche Aufgabe hätten.
Frag schon beim Eintritt nach Interessen und Fähigkeiten, die für den Verein nützlich sein könnten, etwa Handwerk, Grafik, Buchhaltung oder Fotografie. Diese Angaben speicherst du nur mit dem Einverständnis der Person und nur, um sie für passende Aufgaben anzusprechen. Mehr dazu liest du weiter unten im Abschnitt zum Datenschutz. Viele Ideen aus der Mitgliederwerbung funktionieren übrigens auch bei der Suche nach Engagierten.
Außerhalb des Vereins
Brauchst du Kenntnisse, die es im Verein noch nicht gibt, oder möchtest du neue Zielgruppen erreichen, lohnt sich der Blick nach außen:
- Freiwilligenagenturen und Freiwilligenzentren: Viele Städte und Regionen haben Anlaufstellen, die Engagierte und Organisationen zusammenbringen, oft auch mit einer Online-Börse.
- Nachbarschaft und Gemeinde: Aushänge im Supermarkt, Beiträge im Gemeindeblatt oder in Nachbarschaftsgruppen erreichen Menschen, die neu im Ort sind.
- Hochschulen und Schulen: Studierende suchen Praxiserfahrung, ältere Schülerinnen und Schüler Projekte, die sie in Bewerbungen nennen können.
- Unternehmen vor Ort: Manche Firmen stellen ihre Beschäftigten für Einsatztage frei oder unterstützen mit Fachwissen.
- Menschen im Übergang: Wer gerade in Rente gegangen, umgezogen oder mit der Ausbildung fertig ist, sucht oft neue Aufgaben und Kontakte.
Wie du deinen Verein insgesamt sichtbarer machst, beschreibt der Artikel zur Öffentlichkeitsarbeit im Verein.
Schritt 4: Sprich Menschen persönlich und konkret an
Ein persönliches Gespräch schlägt jeden Aushang. Wer direkt gefragt wird, fühlt sich gemeint und ernst genommen. Sprich die Person auf eine bestimmte Aufgabe an und sag, warum du gerade an sie gedacht hast: „Du fotografierst doch gern. Hättest du Lust, beim Saisonauftakt zwei Stunden Bilder für unsere Website zu machen?“ Eine solche Frage ist leicht zu beantworten, auch mit Nein.
So schreibst du ein Engagementangebot
Für schriftliche Aufrufe im Newsletter, in der Vereins-App, in sozialen Netzwerken oder auf Aushängen hilft eine feste Struktur. Ein gutes Angebot beantwortet diese Fragen:
- Was? Ein klarer, ansprechender Titel und die wichtigsten Tätigkeiten in wenigen Punkten.
- Wann und wie lange? Termine, Stundenumfang und Dauer der Zusage.
- Wo? Vor Ort, von zu Hause oder gemischt.
- Was bringst du mit? Nur die Voraussetzungen, die wirklich nötig sind.
- Was bekommst du? Einarbeitung, ein Team, neue Fähigkeiten und die Erstattung von Auslagen nach den Regeln deines Vereins.
- Wer ist Ansprechperson? Ein Name und ein direkter Kontakt statt einer allgemeinen Adresse.
Ein Beispiel: „Hilf mit beim Sommerkonzert: Für den 12. Juli suchen wir zwei Personen, die von 17 bis 20 Uhr den Einlass betreuen. Du brauchst keine Vorkenntnisse, bekommst vorher eine kurze Einweisung und danach einen Platz für die Zugabe. Melde dich bei Lena aus dem Orga-Team.“
Die passenden Kanäle wählen
Verbreite das Angebot dort, wo deine Zielgruppe tatsächlich unterwegs ist. Eltern erreichst du über Elterngruppen und Aushänge an der Trainingsstätte, Jüngere eher über Instagram oder Messenger, Menschen im Ruhestand häufig über das Gemeindeblatt und persönliche Kontakte. Am meisten bringt es, wenn Menschen, die bereits mitmachen, selbst erzählen, warum es ihnen Spaß macht. Diese Begeisterung überzeugt mehr als jeder Text.
Mit campai kannst du Aufrufe als Mailing an deine Mitglieder senden und über die Vereins-App direkt aufs Smartphone bringen. So musst du keine Verteilerlisten von Hand pflegen.
Schritt 5: Führe ein Erstgespräch und biete einen Schnuppereinsatz an
Meldet sich jemand, lohnt sich ein kurzes Kennenlernen, persönlich oder per Video. Es geht nicht um ein Bewerbungsgespräch, sondern darum, ob Erwartungen und Möglichkeiten zusammenpassen. Hilfreiche Fragen sind:
- Was reizt dich an der Aufgabe, und was möchtest du dabei lernen oder erleben?
- Wie viel Zeit hast du realistisch, und zu welchen Tageszeiten?
- Welche Erfahrungen bringst du mit, auch aus Beruf oder Hobby?
- Gibt es etwas, das du auf keinen Fall machen möchtest?
Stell im Gegenzug den Verein, das Team und die Aufgabe ehrlich vor, auch die weniger glanzvollen Teile. Vereinbare dann einen Schnuppereinsatz oder eine Probephase von einigen Wochen. Danach entscheiden beide Seiten in Ruhe, ob es passt. Ein Nein nach dem Schnuppern ist kein Scheitern, sondern erspart allen Beteiligten Frust.
Sagt die Person zu, beginnt die Einarbeitung. Wie du sie mit einem Plan, einer festen Ansprechperson und einem Vereinshandbuch gestaltest, liest du im Beitrag Neue Ehrenamtliche einarbeiten.
Datenschutz bei der Helfersuche
Sobald du Namen, Kontaktdaten, Interessen oder Verfügbarkeiten möglicher Helferinnen und Helfer sammelst, gilt die DSGVO. Für die Praxis heißt das:
- Zweck festlegen: Halte fest, wofür du die Angaben nutzt, zum Beispiel für Anfragen zu Helfereinsätzen. Für andere Zwecke darfst du sie nicht ohne Weiteres verwenden (Art. 5 Abs. 1 lit. b DSGVO).
- Sparsam erfassen: Frag nur ab, was du für die Einsatzplanung wirklich brauchst (Art. 5 Abs. 1 lit. c DSGVO).
- Einwilligung einholen: Für einen freiwilligen Helferpool bietet sich eine Einwilligung an. Sie lässt sich jederzeit widerrufen, und darauf weist du schon beim Einholen hin (Art. 7 Abs. 3 DSGVO).
- Nicht unbegrenzt speichern: Lösche die Angaben, wenn jemand nicht mehr angefragt werden möchte oder du sie nicht mehr brauchst (Art. 5 Abs. 1 lit. e DSGVO).
Hintergründe findest du in den Artikeln zur rechtmäßigen Verarbeitung personenbezogener Daten und zur Zweckbindung im Verein.

Typische Fehler und wie du sie vermeidest
| Fehler | Besser so |
|---|---|
| Erst suchen, wenn ein Amt schon verwaist ist | Nachfolge ein bis zwei Jahre vorher ansprechen und Stellvertretungen aufbauen |
| Den Aufwand kleinreden, damit jemand zusagt | Ehrlich sagen, wie viel Zeit die Aufgabe kostet, und bei Bedarf aufteilen |
| Neue sofort mit großen Aufgaben überhäufen | Mit einer überschaubaren Aufgabe starten und Verantwortung schrittweise erweitern |
| Interessierte tagelang auf eine Antwort warten lassen | Innerhalb weniger Tage melden und einen Termin zum Kennenlernen vorschlagen |
| Nur über Mangel und Not sprechen | Zeigen, was Spaß macht, was man lernt und was die Arbeit bewirkt |
Gewinnung als Daueraufgabe verstehen
Ehrenamtliche zu gewinnen ist kein Projekt, das einmal im Jahr kurz vor der Mitgliederversammlung ansteht. Vereine, die selten Personalsorgen haben, sprechen das Thema das ganze Jahr über an: bei Festen, im Newsletter, im Gespräch mit neuen Mitgliedern. Hilfreich ist eine Person oder ein kleines Team, das sich um Engagement kümmert, offene Aufgaben im Blick behält und sich bei Interessierten schnell zurückmeldet.
Gewinnen und Halten gehören zusammen. Wer neue Leute an Bord holt, sollte ihnen auch zeigen, dass ihr Einsatz zählt. Wie Anerkennung, regelmäßige Gespräche und ein guter Abschied gelingen, erfährst du im Beitrag Ehrenamtliche wertschätzen und binden. Warum Menschen überhaupt ein Ehrenamt übernehmen, beschreibt der Artikel Ehrenamt begeistern.
Häufige Fragen
Wie gewinne ich junge Menschen für ein Ehrenamt?
Gib Jugendlichen eigene Verantwortung in überschaubaren Projekten, zum Beispiel bei der Organisation eines Turniers oder beim Social-Media-Auftritt. Sprich sie dort an, wo sie kommunizieren, und stell ihnen eine erfahrene Ansprechperson zur Seite. Eine schriftliche Bescheinigung über ihr Engagement hilft bei Bewerbungen und ist zugleich eine Form der Anerkennung.
Wie finde ich eine Nachfolge für ein Vorstandsamt?
Fang mindestens ein Jahr vor der Wahl an. Beschreibe die Aufgaben ehrlich, teile große Ämter wenn möglich auf und biete eine Übergabezeit an, in der die bisherige Person noch begleitet. Sprich mögliche Kandidatinnen und Kandidaten persönlich an, statt in der Versammlung auf spontane Meldungen zu hoffen.
Was tun, wenn sich auf einen Aufruf niemand meldet?
Prüfe, ob die Aufgabe zu groß, zu unklar oder zu langfristig beschrieben ist. Teile sie in kleinere Pakete, nenne den Zeitaufwand und frag gezielt einzelne Personen. Manchmal hilft auch die ehrliche Frage, ob die Aufgabe in dieser Form überhaupt nötig ist oder sich vereinfachen lässt.
Wie schnell sollte ich mich bei Interessierten melden?
So schnell wie möglich, am besten innerhalb weniger Tage. Wer sich meldet und lange nichts hört, verliert das Interesse oder engagiert sich anderswo. Eine kurze Antwort mit einem Terminvorschlag für ein Kennenlernen reicht.
Lohnt sich eine Online-Freiwilligenbörse?
Ja, vor allem wenn du Menschen außerhalb deines Vereins erreichen oder bestimmte Fähigkeiten finden möchtest. Stell dort ein konkretes Engagementangebot ein und halte es aktuell. Die persönliche Ansprache im eigenen Umfeld ersetzt eine Börse aber nicht.
Fazit
Neue Ehrenamtliche zu gewinnen gelingt mit Klarheit und persönlicher Ansprache. Beschreibe offene Aufgaben konkret, nenne den Zeitaufwand, biete kleine und zeitlich begrenzte Einstiege an und frag Menschen direkt. Ein kurzes Kennenlernen, ein Schnuppereinsatz und eine feste Ansprechperson machen aus Interesse eine Zusage. Wer die Suche als Daueraufgabe versteht und Neue gut einarbeitet und wertschätzt, muss seltener in letzter Minute nach Helfern rufen.
Checkliste: Neue Ehrenamtliche gewinnen
Geh diese Schritte durch, wenn du eine offene Aufgabe besetzen willst.
Dieser Beitrag bietet einen allgemeinen Überblick und ersetzt keine individuelle Rechts-, Steuer- oder Fachberatung.