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Crowdfunding für Vereine: Plattformen, Ablauf, Prämien und Steuern

So finanzierst du Vereinsprojekte per Crowdfunding: Plattformwahl, Ablauf der Kampagne, Prämienideen und wann du Spendenquittungen ausstellen darfst.

Finanzen & Steuern·29. Oktober 2026·10 Min. Lesezeit·campai Redaktion
Schreibmaschine mit eingespanntem Blatt, auf dem „Donations“ steht

Beim Crowdfunding finanziert dein Verein ein konkretes Projekt über viele kleine Beiträge, die er meist über eine Online-Plattform sammelt: neue Trikots, einen Kleinbus, ein Ruderboot oder die Fahrt zur Meisterschaft. Für gemeinnützige Vereine kommen vor allem zwei Modelle infrage. Beim Spenden-Crowdfunding geben die Unterstützer Geld ohne Gegenleistung; dafür darf dein Verein unter bestimmten Voraussetzungen Zuwendungsbestätigungen ausstellen. Beim klassischen Crowdfunding erhalten sie eine Prämie; dann ist der Beitrag keine Spende, und je nach Prämie können Umsatzsteuer und Ertragsteuern anfallen. Entscheide dich deshalb für ein Modell, bevor du eine Plattform auswählst.

Welche Crowdfunding-Modelle es gibt

ModellWas Unterstützer bekommenEignung für VereineZuwendungsbestätigung
Spenden-Crowdfundingkeine Gegenleistung, höchstens ein symbolisches Dankeschönsehr gut für Projekte, die den Satzungszwecken dienenmöglich
Klassisches Crowdfunding mit Prämieneine Gegenleistung, etwa einen Schal, eine Eintrittskarte oder Werbunggut, wenn du attraktive Prämien bieten kannstnein
CrowdlendingRückzahlung eines Darlehens, oft mit Zinsennur in Ausnahmefällen, finanziell und rechtlich anspruchsvollnein
CrowdinvestingBeteiligung am Erfolg eines Projekts oder Unternehmensfür Vereine kaum geeignetnein

Viele Kampagnen laufen nach dem Alles-oder-Nichts-Prinzip: Das Geld fließt nur, wenn das Finanzierungsziel bis zum Stichtag erreicht ist; sonst bekommen die Unterstützer das Geld zurück. Wie mit einem verfehlten Ziel umgegangen wird, regelt jede Plattform selbst. Kläre das vorab, denn es beeinflusst, wie hoch du dein Ziel ansetzt.

Die passende Plattform finden

Grob lassen sich drei Gruppen von Plattformen unterscheiden:

  • Spendenplattformen für gemeinnützige Organisationen, zum Beispiel betterplace.org. Dort sammelst du Spenden ohne Prämien.
  • Allgemeine Crowdfunding-Plattformen für Projekte mit Dankeschöns, zum Beispiel Startnext, wo auch Vereine Kampagnen starten können.
  • Regionale Plattformen, die zum Teil von Banken betrieben werden, etwa „Viele schaffen mehr“ der Volksbanken Raiffeisenbanken oder 99 Funken, eine Plattform mehrerer Sparkassen. Hier präsentieren Vereine Projekte aus ihrer Region.

Daneben gibt es Plattformen, die sich auf Sportprojekte spezialisiert haben. Vergleiche vor der Entscheidung diese Punkte:

PrüffrageWarum sie wichtig ist
Spenden oder Prämien?Davon hängt ab, ob du Zuwendungsbestätigungen ausstellen darfst.
Wie fließt das Geld?Sammelt die Plattform als Treuhänderin für deinen Verein, brauchst du von der Plattform eine Spenderliste mit Namen, Anschrift und Betrag.
Wer stellt die Bestätigungen aus?Dein Verein selbst oder die Plattform, wenn sie selbst gemeinnützig ist und die Spenden für eigene Rechnung weiterleitet.
Welche Kosten fallen an?Gebühren und Kosten für Zahlungsdienste mindern den Betrag, der beim Verein ankommt. Prüfe die aktuellen Konditionen direkt beim Anbieter.
Was passiert bei einem verfehlten Ziel?Davon hängt ab, ob du ein ehrgeiziges oder ein sicheres Ziel wählst.
Wen erreicht die Plattform?Regionale Plattformen sprechen Menschen vor Ort an, große Plattformen ein breiteres Publikum.
Gibt es Zusatzförderung?Bei manchen Plattformen legen Partner zeitweise Geld aus Fördertöpfen dazu.
Euro-Banknoten ragen aus einem Briefumschlag auf einem Holztisch
Euro-Banknoten ragen aus einem Briefumschlag auf einem Holztisch

Ablauf einer Kampagne in vier Schritten

1. Projekt und Ziel festlegen

Wähle ein konkretes, greifbares Vorhaben mit sichtbarem Nutzen. „Zwei neue Ruderboote für die Jugend“ überzeugt mehr als „Unterstützung für den Verein“. Rechne die Summe ehrlich durch, einschließlich Plattformkosten, Prämien und Versand, und lege einen Zeitraum fest. Stelle ein kleines Team mit klaren Aufgaben zusammen: Texte und Fotos, Social Media, Presse, Dankeschöns und Buchhaltung. Prüfe außerdem, ob das Projekt zu den Satzungszwecken passt; nur dann darfst du Spenden dafür bestätigen.

2. Projektseite vorbereiten

Eine gute Projektseite erklärt in wenigen Sätzen, wer dein Verein ist, was er vorhat, was es kostet und was mit dem Geld geschieht. Echte Fotos aus dem Vereinsleben oder ein kurzes Video wirken stärker als lange Texte. Schreibe auch, was passiert, wenn mehr Geld zusammenkommt als nötig. Beim Spenden-Crowdfunding weist du darauf hin, dass der Verein Zuwendungsbestätigungen ausstellt.

3. Start und Finanzierungsphase

Die ersten Tage entscheiden viel. Bitte Vorstand, Mitglieder und Familien, gleich zum Start zu unterstützen, damit die Seite nicht leer wirkt. Berichte während der Laufzeit regelmäßig über den Stand, teile Zwischenziele und bedanke dich öffentlich. Mitglieder erreichst du am schnellsten über Mailings und die Vereins-App, Außenstehende über Social Media und die lokale Presse. Wie du eine Meldung an Zeitungen formulierst, erklärt der Beitrag Pressemitteilung verfassen.

4. Abschluss und Dank

Nach dem Ende der Kampagne bedankst du dich bei allen Unterstützern, verschickst Prämien oder Zuwendungsbestätigungen und berichtest, wie das Projekt vorankommt. Ein Foto vom neuen Boot oder eine Einladung zur Taufe bindet Unterstützer über die Kampagne hinaus. Anregungen findest du im Beitrag Dankschreiben für Spenden.

Prämien und Dankeschöns: Ideen und Grenzen

Beim klassischen Crowdfunding machen gute Prämien den Unterschied. Am besten wirken Dankeschöns, die nur dein Verein bieten kann:

  • ein Schnuppertraining oder eine Trainingseinheit mit der ersten Mannschaft
  • eine Einladung zur Einweihung des finanzierten Projekts
  • ein signierter Ball, ein Vereinsschal oder ein Trikot
  • eine Ehrenkarte für ein Heimspiel oder ein Konzert
  • für Unternehmen: ein Logo auf Banner, Website oder Trikot

Behalte im Blick, dass jede Prämie Geld kostet und steuerliche Folgen hat. Beim Spenden-Crowdfunding ist höchstens ein rein symbolisches Dankeschön erlaubt, zum Beispiel ein Bericht über den Fortschritt des Projekts. Sobald Unterstützer eine echte Gegenleistung erhalten, ist der Beitrag keine Spende mehr, und zwar in voller Höhe: Eine Aufteilung in einen Kaufpreis und einen Spendenanteil scheidet bei einer einheitlichen Gegenleistung aus.

Steuern beim Crowdfunding

Wie Zahlungen aus Crowdfunding spendenrechtlich zu behandeln sind, hat das Bundesfinanzministerium im Schreiben vom 15. Dezember 2017 geregelt (BStBl I 2018 S. 246). Für deinen Verein kommt es auf das Modell und auf den Weg an, auf dem das Geld fließt.

Spenden-Crowdfunding: Wann du Zuwendungsbestätigungen ausstellen darfst

Sammelt die Plattform das Geld als Treuhänderin für deinen Verein und leitet es weiter, darf der Verein Zuwendungsbestätigungen ausstellen, wenn

  • er steuerbegünstigt ist,
  • die Unterstützer keine Gegenleistung erhalten, höchstens ein rein symbolisches Dankeschön,
  • das Projekt seinen steuerbegünstigten Satzungszwecken dient und
  • sich jede Spende zweifelsfrei einer Person zuordnen lässt. Dazu muss die Plattform eine Spenderliste mit Name, Anschrift und Betrag zusammen mit dem Geld übermitteln.

Der vereinfachte Spendennachweis per Kontoauszug, der bei Spenden bis 300 € sonst genügt, gilt für solche treuhänderischen Crowdfunding-Spenden nicht. Die Unterstützer brauchen also auch für kleine Beträge eine Zuwendungsbestätigung von dir. Ist die Plattform dagegen selbst eine steuerbegünstigte Körperschaft, die die Spenden für eigene Rechnung einnimmt und an deinen Verein weitergibt, stellt sie die Bestätigungen aus; dann ist auch der vereinfachte Nachweis möglich. Alles zu Form und Inhalt der Bestätigung steht im Beitrag Spendenbescheinigung im Verein.

Beim Verein sind diese Spenden steuerfreie Einnahmen im ideellen Bereich. In campai erfasst du die Spenden und erstellst die Zuwendungsbestätigungen für alle Unterstützer.

Klassisches Crowdfunding mit Prämien

Erhalten Unterstützer eine Gegenleistung, ist der Beitrag keine Spende, und zwar unabhängig davon, wie wertvoll die Prämie im Verhältnis zum Betrag ist. Eine Zuwendungsbestätigung scheidet aus. Wo die Einnahme beim Verein landet, hängt von der Prämie ab:

PrämieSpende möglich?Typische Zuordnung beim Verein
Bericht über den Projektfortschritt, Dankesmailja, als rein symbolisches Dankeschönideeller Bereich
Schal, Trikot, Ballneinwirtschaftlicher Geschäftsbetrieb, wie ein Verkauf
Schnuppertraining oder Sportkursneinals sportliche Veranstaltung in der Regel Zweckbetrieb
Eintrittskarte für ein SpielneinZweckbetrieb, wenn die Sportveranstaltungen ein Zweckbetrieb sind
Logo eines Unternehmens auf Banner oder TrikotneinSponsoring mit Werbeleistung, wirtschaftlicher Geschäftsbetrieb

Körperschaft- und Gewerbesteuer fallen erst an, wenn die Einnahmen aus allen steuerpflichtigen wirtschaftlichen Geschäftsbetrieben zusammen 50.000 € im Jahr übersteigen (bis 2025: 45.000 €). Für Prämien mit eigenem Wert kann Umsatzsteuer anfallen, wenn dein Verein nicht unter die Kleinunternehmerregelung fällt; Einzelheiten im Beitrag Umsatzsteuer für Vereine. Bietest du Unternehmen Werbung als Prämie an, gelten die Regeln aus dem Beitrag Sponsoring im Verein.

Crowdlending und Crowdinvesting

Leihen Unterstützer dem Verein Geld oder beteiligen sie sich am Erfolg eines Projekts, schichten sie lediglich Vermögen um. Ein Spendenabzug scheidet deshalb aus. Für den Verein ist ein Darlehen eine Schuld, die er zurückzahlen muss, oft mit Zinsen. Solche Modelle werfen außerdem vertrags- und aufsichtsrechtliche Fragen auf; lass dich vorher beraten.

Wenn das Ziel verfehlt wird

Gilt das Alles-oder-Nichts-Prinzip, bekommen die Unterstützer das Geld zurück; dann gibt es auch nichts zu bestätigen oder zu verbuchen. Darf dein Verein das Geld trotz verfehltem Ziel behalten, verwendest du Spenden wie immer nur für die Satzungszwecke. Hast du einen konkreten Zweck versprochen, halte dich daran oder erkläre offen, wofür das Geld stattdessen eingesetzt wird. Am besten kündigst du schon auf der Projektseite an, was in diesem Fall geschieht.

Häufige Fragen

Was kostet Crowdfunding für einen Verein?

Das hängt von der Plattform ab. Neben möglichen Plattformgebühren fallen oft Kosten für Zahlungsdienste an, bei Prämienmodellen außerdem Kosten für Prämien und Versand. Vergleiche die aktuellen Konditionen der Anbieter, bevor du startest, und plane die Kosten in dein Finanzierungsziel ein.

Darf ein Verein für Crowdfunding Spendenquittungen ausstellen?

Ja, beim Spenden-Crowdfunding, wenn der Verein steuerbegünstigt ist, die Unterstützer keine Gegenleistung erhalten und jede Spende anhand einer Spenderliste zugeordnet werden kann. Bei Prämien mit eigenem Wert ist keine Spendenquittung möglich.

Ist Crowdfunding-Geld für den Verein steuerpflichtig?

Spenden sind beim gemeinnützigen Verein steuerfrei. Beiträge, für die Unterstützer eine Prämie erhalten, sind Entgelte; sie können je nach Prämie im Zweckbetrieb oder im wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb landen und Umsatzsteuer auslösen.

Welche Plattform eignet sich für Vereine?

Für reine Spendensammlungen eignen sich Spendenplattformen für gemeinnützige Organisationen, für Projekte mit Dankeschöns allgemeine Crowdfunding-Plattformen. Regionale Plattformen von Banken erreichen besonders gut Menschen vor Ort. Entscheidend sind Modell, Kosten, Reichweite und die Frage, wer die Zuwendungsbestätigungen ausstellt.

Was passiert, wenn das Finanzierungsziel nicht erreicht wird?

Beim Alles-oder-Nichts-Prinzip erhalten die Unterstützer das Geld zurück. Andere Plattformen zahlen auch bei verfehltem Ziel aus; dann solltest du vorab erklärt haben, wie du das Geld verwendest.

Fazit

Crowdfunding ist eine gute Ergänzung zu Beiträgen, Fördermitteln und Sponsoring, wenn dein Verein ein greifbares Projekt und eine engagierte Gemeinschaft hat. Entscheide zuerst, ob du Spenden oder Prämien sammelst, denn davon hängen Plattform, Zuwendungsbestätigungen und Steuern ab. Beim Spenden-Crowdfunding über eine Treuhandplattform brauchst du eine Spenderliste und musst auch kleine Beträge bestätigen. Bei Prämien ist der Beitrag keine Spende, und die Einnahme gehört je nach Prämie in den Zweckbetrieb oder den wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb. Mit einem realistischen Ziel, einer starken Startphase und einem ehrlichen Dank am Ende hast du gute Chancen auf Erfolg.

Dieser Beitrag bietet einen allgemeinen Überblick und ersetzt keine individuelle Rechts-, Steuer- oder Fachberatung.