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Ehrenamt in der Kirche: Aufgaben, Rechte und steuerliche Vorteile

Ehrenamt in der Kirche heißt, dass du dich freiwillig für eine Kirchengemeinde oder einen kirchlichen Verband engagierst, meist ohne Bezahlung, aber dafür mit klaren Aufgaben, Regeln und oft auch Absicherungen. Ob Besuchsdienst, Jugendarbeit, Kirchenchor oder Gremienarbeit, kirchliches Ehrenamt hält die Gemeinschaft zusammen, organisiert Hilfe im Alltag und macht Angebote möglich, die sonst wegfallen würden.
Dieser Artikel zeigt dir kompakt und praxisnah, was kirchliches Ehrenamt ausmacht, welche Rechte und Pflichten wichtig sind und wie du Aufwandsentschädigungen korrekt steuerlich einordnest, egal ob du selbst aktiv bist oder Ehrenamtliche koordinierst.
Was bedeutet Ehrenamt in der Kirche?
Kirchen zählen in Deutschland zu den größten Organisationen mit freiwilligem Engagement. In vielen Gemeinden läuft ohne Ehrenamt fast nichts. Gottesdienste, Musik, Gruppenarbeit, Feste, Besuchsdienste und soziale Unterstützung werden nämlich meistens von Ehrenamtlichen unterstützt oder komplett durchgeführt.
Typisch für kirchliches Ehrenamt:
- Freiwilligkeit: Du entscheidest dich selbst für das Engagement.
- Gemeinwohl- und Glaubensbezug: Oft geht es um Gemeinschaft, Seelsorge, Bildung oder soziale Hilfe.
- Unentgeltlichkeit (mit Ausnahmen): Häufig gibt es keine Vergütung, aber Aufwendungsersatz (z. B. Fahrtkosten) oder Pauschalen können möglich sein (mehr dazu im Steuerteil).
- Verlässliche Rahmenbedingungen: Viele kirchliche Träger regeln Aufgaben, Begleitung und Versicherung.
Typische Tätigkeitsfelder:
- Besuchsdienst (z. B. bei älteren oder kranken Gemeindemitgliedern)
- Mitarbeit in Kirchenvorstand, Presbyterium oder Pfarrgemeinderat
- Kinder- und Jugendarbeit (z. B. Gruppenleitung, Freizeiten, Konfi-Begleitung)
- Kirchenmusik (Chor, Band, Organisation von Konzerten)
- Mitarbeit in diakonischen/caritativen Projekten (z. B. Kleiderkammer, Tafeln, Hilfsangebote)
- Organisation von Gottesdiensten, Gemeindefesten und Veranstaltungen
- Begleitdienste (z. B. Hospizbegleitung), wofür meistens eine Qualifizierung notwendig ist
Rechtliche Grundlagen: Was im kirchlichen Ehrenamt zählt
Kirchliches Ehrenamt zählt in der Praxis oft mehr als einfach mal nur nett mithelfen. Es ist in vielen Kirchenordnungen und Satzungen verankert und wird im Alltag oft durch konkrete Regelungen ergänzt (z. B. Leitlinien, Schutzkonzepte, Ehrenamtsvereinbarungen).
Wichtig in der Praxis für Ehrenamtliche, aber auch für die Koordination dieser, sind vor allem diese Punkte:
1) Klare Aufgabenbeschreibung
Je klarer eine Aufgabe beschrieben ist, desto leichter kann sie effizient ausgeführt werden. Gute Aufgabenprofile beantworten drei Fragen:
- Was genau ist zu tun? (Aufgaben, Grenzen, Zuständigkeiten)
- Wie viel Zeit ist realistisch? (wöchentlich/monatlich, Saisonspitzen)
- Wer entscheidet was? (Ansprechperson, Vertretung, Eskalationswege)
2) Datenschutz und Schweigepflicht
Sobald du mit persönlichen Informationen arbeitest (z. B. Listen, Geburtstagen, Besuchsdienst, Gruppenarbeit), gilt, dass du Daten nur für den Zweck nutzen darfst, für den sie erhoben wurden. In seelsorglichen oder sensiblen Kontexten ist außerdem Diskretion Pflicht.
Tipp: Wenn du mit Kontaktdaten, Teilnehmerlisten oder Messenger-Gruppen arbeitest, lohnt sich eine kurze Abstimmung mit der Gemeinde, welche Tools erlaubt sind und wie Daten sicher gespeichert werden.
3) Schutzkonzepte
In vielen kirchlichen Kontexten gehören Prävention und Schutz vor Gewalt inzwischen fest zum ehrenamtlichen Alltag. Das kann etwa Folgendes bedeuten:
- Teilnahme an Schulungen
- Vorlage eines erweiterten Führungszeugnisses (je nach Einsatzbereich)
- Verhaltenskodex / Selbstverpflichtung
- klare Regeln für Freizeiten, Fahrten, Übernachtungen und Kommunikation
Wichtig hierbei ist zu verstehen, dass es sich nicht um einen Misstrauensbeweis handelt, sondern dies professioneller Standard ist und so alle Beteiligten geschützt werden können.
4) Versicherungsschutz im kirchlichen Ehrenamt
Ehrenamtliche sind in kirchlichen Strukturen häufig über Sammel- oder Rahmenversicherungen abgesichert (z. B. Unfall und Haftpflicht). Der konkrete Umfang ist aber nicht überall identisch.
Bevor mit dem Ehrenamt begonnen wird, ist es wichtig, die folgenden Aspekte zu klären, um stets richtig abgesichert zu sein:
- Vor Start klären: Welche Versicherungen greifen genau? Für welche Tätigkeiten?
- Fahrten & private PKW-Nutzung: Hier gibt es oft Sonderregeln (z. B. Dienstfahrten, Mitfahrende, Wege), die geklärt werden sollten.
- Schriftlich geben lassen: Eine kurze Bestätigung sorgt für Klarheit und Absicherung (eine E-Mail reicht).
Ehrenamt in der evangelischen Kirche: So ist es oft organisiert
In evangelischen Strukturen ist das Ehrenamt meist auf mehreren Ebenen (Kirchengemeinde, Kirchenkreis und Landeskirche) verankert. Häufig gibt es dabei Ansprechpersonen für:
- Einstieg und Vermittlung in passende Aufgaben
- Qualifizierung und Fortbildung
- Konfliktklärung und Feedback
- Anerkennungskultur (z. B. Dankesformate, Bescheinigungen)
Rechte und Pflichten
Typische Rechte, die du erwarten kannst (je nach Träger und Aufgabe):
- eine klare Ansprechperson
- Einarbeitung und Begleitung
- Informationen und Materialien, die du brauchst
- Fortbildung, wenn die Aufgabe das erfordert
- Aufwendungsersatz oder Pauschalen im gesetzlichen Rahmen (wenn vereinbart)
Typische Pflichten:
- Verlässlichkeit (Absprachen einhalten, frühzeitig absagen)
- respektvoller Umgang und Teamfähigkeit
- Diskretion bei sensiblen Informationen
- Einhaltung von Schutz- und Verhaltensregeln (z. B. im Jugendbereich)
Ehrenamt in der katholischen Kirche: Häufige Rollen und Strukturen
Auch in katholischen Gemeinden tragen Ehrenamtliche das Gemeindeleben, indem sie Teil des Pfarrgemeinderats sind, liturgische Dienste ausführen und in Caritasgruppen, Verbänden sowie Gruppenarbeit tätig werden. Vieles ist über Pfarreien, pastorale Räume oder Verbände organisiert und das oft in enger Zusammenarbeit mit hauptamtlichen Mitarbeitenden.
Typisch für das Ehrenamt in der katholischen Kirche ist oft ein starkes Gemeinschaftsgefühl. Das Engagement ist für viele langfristig, gruppenbasiert und an konkrete Angebote (Jugend, Musik, Soziales, Liturgie) gekoppelt.

Ehrenamt in der Kirche und Steuern: Das musst du wissen
Sobald Geld fließt, wird das kirchliche Ehrenamt steuerlich relevant. Dabei geht es meistens nicht um das Gehalt, sondern um:
- Aufwendungsersatz (z. B. Fahrtkosten, Material)
- Pauschalen (Ehrenamtspauschale oder Übungsleiterpauschale)
- in seltenen Fällen um echte Vergütung (dann gelten jedoch andere Regeln)
Wichtig zu beachten ist, dass Steuerregeln immer vom Einzelfall abhängen. Für die Praxis können jedoch diese Leitplanken helfen.
Ehrenamtspauschale (§ 3 Nr. 26a EStG)
Für viele „klassische“ ehrenamtliche Aufgaben (z. B. Organisation, Gremienarbeit, Verwaltung, Unterstützung im Hintergrund) kann die Ehrenamtspauschale greifen:
- bis zu 960 Euro pro Jahr steuerfrei
- nur, wenn die Tätigkeit nebenberuflich ist
- und für eine steuerbegünstigte Körperschaft erfolgt (kirchliche Träger erfüllen das in der Regel)
Wichtig: Die Pauschale ist kein Automatismus. Sie muss konkret vereinbart und gezahlt werden.
Übungsleiterpauschale (§ 3 Nr. 26 EStG)
Wenn du in der Kirche pädagogisch, betreuend, erzieherisch oder künstlerisch tätig bist, kann die Übungsleiterpauschale passen, zum Beispiel bei:
- Leitung von Jugendgruppen oder Freizeiten mit Ausbildungs-/Betreuungsanteil
- Schulungs- und Bildungsarbeit
- künstlerische Tätigkeiten (z. B. Chorleitung) - je nach konkreter Ausgestaltung
Rahmen:
- bis zu 3.300 Euro pro Jahr steuerfrei
- nebenberuflich
- Tätigkeit dient einem gemeinnützigen, wohltätigen oder kirchlichen Zweck
Kannst du beide Pauschalen nutzen?
Ja, das kann möglich sein, aber nur, wenn es zwei klar getrennte Tätigkeiten sind (inhaltlich und organisatorisch). Ein Beispiel: Jugendarbeit (Übungsleiterpauschale) und zusätzlich Gremienarbeit (Ehrenamtspauschale). Wichtig ist eine saubere Trennung in der jeweiligen Vereinbarung und Abrechnung.
Was gehört in die Steuererklärung?
Ob und wo du etwas eintragen musst, hängt davon ab, ob du überhaupt Zahlungen bekommen hast und wie sie abgerechnet wurden.
Praxis-Regeln:
- Wenn du Einnahmen bekommen hast: Dann müssen sie grundsätzlich steuerlich „einsortiert“ werden, auch wenn sie steuerfrei sind.
- Wenn du nur echten Aufwendungsersatz erhalten hast: Oft ist das unkritisch, aber Belege und Abrechnung sollten stimmen.
- Wenn du über den Freibeträgen liegst: Der übersteigende Teil ist in der Regel steuerpflichtig.
Eine Bescheinigung des kirchlichen Trägers (Art der Tätigkeit, Zeitraum, Betrag, Rechtsgrundlage) macht Rückfragen vom Finanzamt in der Regel deutlich entspannter.
Herausforderungen in Gemeinden und man sie lösen kann
Ehrenamt scheitert selten am Willen, sondern häufig an den Herausforderungen des Alltags. Oftmals gibt es zu viele Listen, zu viele Chats und zu wenig Überblick. Kurz gesagt, könnte die Organisation in den meisten Gemeinden um einiges besser laufen.
Typische Herausforderungen sind etwa:
- doppelte Datenpflege (Excel, Zettel, E-Mails)
- unklare Zuständigkeiten
- schwierige Terminabstimmung
- fehlender Überblick über Gruppen, Rollen und Helfer
Gerade wenn man auf solche Herausforderungen trifft, hilft eine digitale Struktur, die alle wichtigen Daten, Informationen und Zuständigkeiten an einem Ort bündelt und somit die Organisation um ein Vielfaches erleichtert und übersichtlicher macht.
Mit campai lassen sich zum Beispiel:
- Mitgliederverwaltung übersichtlich verwalten
- Kommunikation gebündelt organisieren
- Veranstaltungen planen und koordinieren
- Rollen und Zuständigkeiten klar abbilden
- Prozesse DSGVO-konform digital ablegen
Wenn die Organisation nahtlos funktioniert, bleibt für Ehrenamtliche mehr Zeit für das, was sie eigentlich tun wollen: Menschen helfen und einen Teil zur Gemeinde beitragen.
Fazit
Ehrenamt in der evangelischen oder katholischen Kirche ist vielseitig, sinnvoll und oft professioneller geregelt, als viele denken, da es klare Aufgaben, Schutzstandards und häufig auch Versicherungen gibt. Wenn Aufwandsentschädigungen gezahlt werden, lohnt sich ein Blick auf die Ehrenamtspauschale und die Übungsleiterpauschale und wie diese genau in den Steuern behandelt werden sollten.
Damit das problemlos funktionieren kann und auch im restlichen ehrenamtlichen Alltag die Organisation und Kommunikation nahtlos ausgeführt werden, lohnt sich eine digitale Vereinssoftware. Mit campai wird Ehrenamt einfacher planbar, ganz ohne Zettelchaos, Stress und mit klarer Struktur.
Häufige Fragen zum Ehrenamt in der Kirche
Ist das Ehrenamt in der Kirche versichert?
Oft ja – viele kirchliche Träger haben Unfall- und Haftpflichtlösungen über Rahmenverträge. Der Umfang ist aber nicht überall gleich. Am besten lässt du dir vor Start kurz schriftlich bestätigen, welche Tätigkeiten und Wege abgesichert sind.
Welche Pauschalen kannst du steuerlich nutzen?
Für allgemeine ehrenamtliche Aufgaben gibt es die Ehrenamtspauschale bis 960 Euro/Jahr (§ 3 Nr. 26a EStG). Für pädagogische, betreuende, erzieherische oder künstlerische Tätigkeiten kann die Übungsleiterpauschale bis 3.300 Euro/Jahr betragen (§ 3 Nr. 26 EStG). Eine Kombination ist möglich, wenn es getrennte Tätigkeiten sind.
Musst du dein Ehrenamt in der Steuererklärung angeben?
Wenn du Geld erhalten hast (Pauschalen oder Vergütung), solltest du es in der Steuererklärung korrekt angeben, auch dann, wenn es steuerfrei ist. Bei reinem Aufwendungsersatz kommt es auf die konkrete Abrechnung an. Im Zweifel hilft eine kurze Rückfrage beim Steuerberater oder Lohnsteuerhilfeverein.
Wie findest du ein Ehrenamt in der Kirche?
Der schnellste Weg führt über deine lokale Gemeinde (Pfarrbüro, Gemeindebüro, Aushänge, Website). Viele Gemeinden haben auch feste Ansprechpartner für Ehrenamt oder nennen konkrete Aufgaben, bei denen sofort Unterstützung gebraucht wird.
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